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Personalkosten kalkulieren – was ein Dienstnehmer in Österreich wirklich kostet

Vom Bruttoentgelt über das Dienstgeberbrutto (Dienstgeber-Gesamtkosten) zu den Vollkosten

4 Min. Lesezeit · Aktualisiert am

»Was kostet uns diese Stelle?« ist eine Frage mit drei möglichen Antworten, die um 60 Prozent auseinanderliegen können. Welche richtig ist, hängt davon ab, wofür die Zahl gebraucht wird.

Ebene 1: Bruttoentgelt

Die Zahl im Dienstvertrag bzw. Dienstzettel (unter Berücksichtigung des anzuwendenden Kollektivvertrags). Sie ist die Basis, aber für keine betriebswirtschaftliche Entscheidung die richtige Größe, zumal in Österreich über das Grundgehalt hinaus regelmäßig 14 Monatsgehälter (Urlaubszuschuss und Weihnachtsremuneration) gebühren.

Ebene 2: Dienstgeberbrutto (Dienstgeber-Gesamtaufwand)

PositionBeispiel p. a.Anteil
Bruttoentgelt (inkl. 13. und 14. Monatsgehalt)60.000 €100,0 %
Pensionsversicherung (DG-Anteil)7.530 €12,55 %
Krankenversicherung (DG-Anteil)2.268 €3,78 %
Arbeitslosenversicherung (DG-Anteil)1.800 €3,00 %
Unfallversicherung (AUVA / DG-Anteil)660 €1,10 %
Sonstige SV-Umlagen (z. B. IESG)60 €0,10 %
Dienstgeberbeitrag zum FLAF (DB)2.220 €3,70 %
Zuschlag zum DB (DZ, bspw. Wien)216 €0,36 %
Kommunalsteuer (KommSt)1.800 €3,00 %
Betriebliche Vorsorgekasse (BV-Beitrag nach BMSVG)918 €1,53 %
Dienstgeber-Gesamtkosten (Dienstgeberbrutto)77.472 €~129,1 %

Die Beitragssätze und die Höchstbeitragsgrundlage nach dem ASVG ändern sich jährlich; die Werte oben sind Größenordnungen zur Illustration und vor jeder Verwendung am aktuellen Stand zu prüfen. Oberhalb der Höchstbeitragsgrundlage sinkt der prozentuale Sozialversicherungsaufschlag.

Ebene 3: Vollkosten

PositionBeispiel p. a.
Dienstgeber-Gesamtkosten77.472 €
Arbeitsplatz (Fläche, Möblierung, Nebenkosten)4.800 €
IT-Ausstattung und Lizenzen2.400 €
Telekommunikation600 €
Fortbildung und Fachliteratur2.000 €
Arbeitsmedizin, Arbeitnehmerschutz (ASchG), Sicherheitsfachkraft300 €
Anteilige Verwaltung und Führung6.000 €
Personalvollkosten93.572 €

Das sind rund 156 Prozent des Bruttoentgelts. Ob die anteilige Verwaltung hier oder im Gemeinkostenzuschlag berücksichtigt wird, ist eine Frage der Systematik — doppelt gezählt werden darf sie nicht.

Durchschnittlicher Lohnnebenkostensatz in Deutschland: ca. 21 %

Arbeitgeber-Kosten pro Monat

4.840,00 €

pro Monat

AG-Kosten/Jahr: 58.080,00 €AG-Kosten/Stunde: 37,23 €

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Ebene 4: Kosten je produktiver Stunde

Erst diese Zahl ist für Kalkulation und Vergleich brauchbar.

PositionStunden
Vertragliche Jahresarbeitszeit (Basis 40-Stunden-Woche nach AZG)2.080
Feiertage (ARG), Urlaub (UrlG), Krankenstand (EFZG/AngG), Fortbildung−424
Anwesenheit1.656
Interne, nicht produktive Tätigkeiten (20 %)−331
Produktive Stunden1.325

93.572 € ÷ 1.325 h = 70,62 € je produktiver Stunde

Welche Zahl wofür

ZweckRichtige Größe
Budgetplanung PersonalaufwandDienstgeber-Gesamtkosten (Dienstgeberbrutto)
StundensatzkalkulationVollkosten je produktiver Stunde
Nachkalkulation von Projekteninterner Verrechnungssatz
Make-or-Buy kurzfristigGrenzkosten, nicht Vollkosten
Vergleich mit Fremdleistung langfristigVollkosten je Stunde
Gehaltsverhandlung / KollektivvertragsanpassungDienstgeber-Gesamtkosten als Gesamtaufwand

Teilzeit und geringfügige Beschäftigung

Bei Teilzeit sinken die entgeltabhängigen Kosten proportional, die Arbeitsplatzkosten jedoch nur teilweise. Die Kosten je Stunde liegen deshalb bei Teilzeit tendenziell höher — ein Effekt, der in der Kalkulation berücksichtigt werden sollte, aber niemals eine Benachteiligung nach § 19d Abs. 6 AZG (bzw. Gleichbehandlungsgesetz) rechtfertigen darf. Zu beachten ist zudem der gesetzliche Mehrarbeitszuschlag von 25 % (§ 19d Abs. 3a AZG), sofern Mehrarbeitsstunden nicht innerhalb des Quartals durch Zeitausgleich 1:1 abgebaut werden.

Bei geringfügiger Beschäftigung nach § 5 Abs. 2 ASVG entfallen die regulären Dienstgeberbeiträge zur Kranken- und Pensionsversicherung (es fällt lediglich der Unfallversicherungsbeitrag sowie der BV-Beitrag und gegebenenfalls die Dienstgeberabgabe bei mehreren geringfügig Beschäftigten nach dem DAG an).

Fluktuationskosten

In einer vollständigen Betrachtung fehlen noch die Kosten des Personalwechsels: Ausschreibung, Auswahlverfahren, Einarbeitungszeit mit reduzierter Produktivität, Wissensverlust und Mehrbelastung des Teams. Sie werden in der Literatur häufig mit einem halben bis anderthalb Jahresgehältern beziffert.

Diese Kosten tauchen in keiner Kostenstelle auf, sind aber der wirtschaftliche Grund, warum Arbeitszeitgestaltung, Aufzeichnungspflichten (§ 26 AZG) und Belastungssteuerung betriebswirtschaftliche Themen sind — nicht nur rechtliche.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Gesetze und Verordnungen

Weitere Quellen

Stand der Auswertung: August 2026. Der Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Häufige Fragen

Das Dienstgeberbrutto (die Dienstgeber-Gesamtkosten) liegt durch die gesetzlichen Lohnnebenkosten (Dienstgeberanteil zur Sozialversicherung, DB, DZ, Kommunalsteuer, BV-Beitrag) in Österreich typischerweise ca. 27 bis 30 Prozent über dem Bruttoentgelt (inklusive Sonderzahlungen). Mit Arbeitsplatzkosten, IT und Fortbildung kommen oft weitere 15 bis 25 Prozent hinzu.
Bruttoentgelt (inkl. 13. und 14. Monatsgehalt: Urlaubszuschuss und Weihnachtsremuneration) plus Dienstgeberanteil zur Sozialversicherung (ÖGK/Pensionsversicherung/Unfallversicherung), Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (DB), Zuschlag zum DB (DZ), Kommunalsteuer (KommSt) und Betriebliche Vorsorgekasse (BV-Beitrag nach BMSVG).
Weil sie die tatsächlich verfügbare Zeit berücksichtigt. Zwei Personen mit gleichem Kollektivvertragsgehalt können durch Urlaubsansprüche, Krankenstände und unproduktive Zeiten sehr unterschiedliche Kosten je produktiver Stunde verursachen.
Als Basis für den internen Verrechnungssatz, für Budgetplanung, für Make-or-Buy-Entscheidungen und für die Nachkalkulation von Projekten.
Autor
PlainStaff Redaktion
Fachredaktion Personalwesen
Aktualisiert am