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Kapazitätsplanung – Auslastung realistisch planen

Warum die Wochenarbeitszeit die falsche Ausgangsgröße ist

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Kapazitätsplanung scheitert selten an der Methode und fast immer an der Ausgangsgröße. Wer mit der vertraglichen Wochenarbeitszeit rechnet, plant durchgängig 30 bis 40 Prozent mehr ein, als tatsächlich verfügbar ist.

Schritt 1: Verfügbare Kapazität

PositionStunden p. a.
Vertragliche Jahresarbeitszeit (40 h × 52 Wochen)2.080
Feiertage (gesetzliche Feiertage nach ARG)−88
Urlaub (25 Arbeitstage nach UrlG bei 5-Tage-Woche)−200
Krankenstand (Erfahrungswert)−64
Fortbildung−40
Anwesenheit1.688
Interne Tätigkeiten, Abstimmung, Verwaltung−338
Planbare Projektkapazität1.350

Das entspricht rund 65 Prozent der vertraglichen Arbeitszeit. Wer stattdessen mit 2.080 Stunden plant, hat den Plan bereits verfehlt, bevor das erste Projekt startet.

Der Abschlag für interne Tätigkeiten ist rollenabhängig:

RolleTypischer Anteil Projektarbeit
Projektmitarbeit ohne Führungsaufgaben75–85 %
Projektleitung55–70 %
Fachliche Leitung mit Vertriebsanteil40–55 %
Geschäftsführungunter 30 %

Schritt 2: Bedarf ableiten

Der Bedarf setzt sich aus zwei Teilen zusammen:

Laufende Projekte: der geschätzte Restaufwand, nicht der ursprüngliche Planaufwand. Diese Unterscheidung ist wesentlich — der Restaufwand ist die einzige Größe, die den bisherigen Verlauf berücksichtigt.

Pipeline: der geschätzte Aufwand der Angebote, gewichtet mit der Abschlusswahrscheinlichkeit. Ein Angebot über 200 Stunden mit 40 Prozent Wahrscheinlichkeit geht mit 80 Stunden in die Planung ein.

Schritt 3: Auf Skill-Ebene rechnen

Die Gesamtauslastung eines Teams ist eine wenig aussagekräftige Zahl. Ein Team kann bei 70 Prozent liegen und trotzdem keinen Auftrag mehr annehmen können, weil die einzige Person mit einer bestimmten Qualifikation bei 130 Prozent liegt.

Die Planung sollte deshalb auf Rollen- oder Skill-Ebene erfolgen. Der Aufwand dafür ist überschaubar: Meist genügen fünf bis zehn Kategorien, um die Engpässe sichtbar zu machen.

Schritt 4: Mit Ist-Daten korrigieren

Schätzungen sind systematisch zu optimistisch. Der wirksamste Korrekturmechanismus ist der Abgleich mit den tatsächlich gebuchten Stunden abgeschlossener, vergleichbarer Projekte.

Korrekturfaktor = Ø Ist-Aufwand ÷ Ø Plan-Aufwand vergleichbarer Projekte

Liegt der Faktor bei 1,18, werden künftige Schätzungen dieses Projekttyps um 18 Prozent erhöht. Das ist genauer als jede Verfeinerung der Schätzmethode — und es braucht nichts weiter als vollständige Projektzeitdaten.

Der Umgang mit Überbuchung

Wenn der Bedarf die Kapazität übersteigt, gibt es vier Hebel, in dieser Reihenfolge:

  1. Verschieben — Termine mit dem Auftraggeber neu vereinbaren.
  2. Umverteilen — Aufgaben auf andere Qualifikationen verlagern, soweit fachlich möglich.
  3. Zukaufen — Fremdleistung oder freie Dienstnehmer/Selbstständige, mit Vorlauf für Einarbeitung.
  4. Ablehnen — der unangenehmste und oft wirtschaftlich beste Hebel.

Überstunden sind kein Hebel, sondern ein Symptom. Sie funktionieren für wenige Wochen und erzeugen danach Zeitausgleichsansprüche, Überschreitungen der Höchstarbeitszeitgrenzen nach dem Arbeitszeitgesetz (AZG), Krankenstände und Fluktuation.

Planungshorizont und Detailgrad

HorizontDetailgradZweck
0–4 Wochentagesgenau, personenbezogenEinsatzsteuerung
1–3 Monatewochengenau, personenbezogenZusagen an Kunden
3–12 Monatemonatsgenau, auf Skill-EbeneEinstellungsentscheidungen
über 12 Monategrob, auf Bereichsebenestrategische Planung

Eine tagesgenaue Planung über zwölf Monate ist verschwendete Arbeit — sie ist nach zwei Wochen überholt.

Was die Planung von der Erfassung braucht

  • Geplante Abwesenheiten aus der Urlaubs- und Abwesenheitsverwaltung, damit die Kapazität stimmt.
  • Restaufwandsschätzungen je laufendem Projekt, regelmäßig aktualisiert.
  • Ist-Buchungen tagesaktuell (§ 26 AZG), damit der Restaufwand realistisch bleibt.
  • Historische Abweichungsfaktoren je Projekttyp.

Fehlt einer dieser Bausteine, wird aus der Planung eine Wunschliste.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Gesetze und Verordnungen

Weitere Quellen

Stand der Auswertung: August 2026.

Häufige Fragen

Von der vertraglichen Arbeitszeit werden geplanter Urlaub, Feiertage, ein Erfahrungswert für Krankenstand, Fortbildung und der nicht projektbezogene Anteil der Rolle abgezogen.
Weil ein Team in Summe frei sein kann und trotzdem blockiert ist, wenn die einzige Person mit einer bestimmten Fachkenntnis überbucht ist.
Der Bedarf aus der Pipeline wird mit der Abschlusswahrscheinlichkeit gewichtet, damit nicht jedes Angebot als sichere Belastung erscheint.
Nein. Vollständige Auslastung lässt keinen Raum für Angebote, Wissensaufbau und Puffer. Teams dauerhaft über 90 Prozent verlieren die Fähigkeit, kurzfristige Anfragen anzunehmen.
Autor
PlainStaff Redaktion
Fachredaktion Personalwesen
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