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Billable Utilization – die Kennzahl richtig lesen

Warum eine hohe Auslastung nichts über Profitabilität aussagt

3 Min. Lesezeit · Aktualisiert am

Kaum eine Kennzahl wird so oft berichtet und so selten richtig interpretiert wie die Auslastung. Sie ist nützlich, aber allein gelesen führt sie zuverlässig zu falschen Entscheidungen.

Die Berechnung

Billable Utilization = abrechenbare Stunden ÷ verfügbare Stunden × 100

Beide Größen sind definitionsbedürftig:

Abrechenbare Stunden sind die Stunden, die einem Kunden in Rechnung gestellt werden können — unabhängig davon, ob sie tatsächlich fakturiert wurden.

Verfügbare Stunden sind die Anwesenheitsstunden: vertragliche Arbeitszeit abzüglich Urlaub, Krankenstand und Feiertagen.

Realistische Zielwerte

RolleZielkorridor
Projektmitarbeit ohne Führungsaufgaben75–85 %
Senior mit fachlicher Verantwortung65–80 %
Projektleitung55–70 %
Fachliche Leitung mit Vertriebsanteil40–55 %
Geschäftsführungunter 30 %

Ein pauschaler Zielwert für alle Rollen erzeugt entweder Überlastung bei den einen oder falsche Sicherheit bei den anderen.

Warum 100 Prozent das falsche Ziel sind

Vollständige Auslastung bedeutet:

  • keine Zeit für Angebote — die Pipeline trocknet aus,
  • keine Zeit für Wissensaufbau — die fachliche Substanz erodiert,
  • kein Puffer für Verzögerungen — jede Störung schlägt auf Termine durch,
  • keine Kapazität für kurzfristige Anfragen — oft die mit der besten Marge.

Teams, die dauerhaft über 90 Prozent liegen, verlieren zuerst die Fähigkeit zu verkaufen und danach die Leute.

Die Kennzahl allein steuert falsch

Auslastung sagt nichts über den erzielten Preis. Vier Fälle mit identischer Auslastung von 80 Prozent:

FallSatzErgebnis
A120 €profitabel
B85 €knapp kostendeckend
C120 €, aber 30 % Nachlassdefizitär
D120 €, aber 25 % nicht fakturiertdefizitär

Die Fälle C und D sind in der Auslastungskennzahl unsichtbar. Sichtbar werden sie erst durch zwei ergänzende Kennzahlen.

Realization Rate

Realization Rate = fakturierte Stunden ÷ abrechenbare Stunden × 100

Sie zeigt, wie viel von der abrechenbaren Leistung tatsächlich in Rechnung gestellt wurde. Verluste entstehen durch Nachlässe, Budgetdeckel, Kulanzleistungen und nicht durchgesetzte Nachträge.

Ein Wert unter 90 Prozent ist ein starkes Signal — meist zeigt er ein Problem in der Auftragsklärung, nicht in der Leistungserbringung.

Effective Rate

Effective Rate = Erlös ÷ geleistete Stunden

Der tatsächlich erzielte Durchschnittssatz, bezogen auf alle geleisteten Stunden einschließlich der nicht abrechenbaren. Er ist die ehrlichste Einzelkennzahl im Projektgeschäft, weil er Auslastung, Preis und Realization in einer Zahl zusammenführt.

Deckungsbeitrag je Stunde

Die betriebswirtschaftlich richtige Zielgröße. Er macht Projekte unterschiedlicher Größe vergleichbar und beantwortet die eigentliche Frage: Welche Auftragsart verwertet die knappe Ressource Zeit am besten?

Was zusammen berichtet werden sollte

Ein brauchbares Auslastungsreporting enthält nebeneinander:

  1. Utilization — wie viel der verfügbaren Zeit ging in Kundenarbeit?
  2. Realization Rate — wie viel davon wurde fakturiert?
  3. Effective Rate — welcher Satz kam heraus?
  4. Deckungsbeitrag je Stunde — was blieb übrig?

Erst diese vier Zahlen zusammen ergeben ein Bild. Einzeln berichtet, führt jede von ihnen zu einer anderen falschen Entscheidung.

Fehlsteuerungen vermeiden

Wird Utilization als individuelles Ziel gesetzt, entstehen vorhersehbare Effekte: Stunden werden großzügig auf Projekte gebucht, interne Aufgaben werden gemieden, und Wissensweitergabe unterbleibt, weil sie nicht zählt.

Utilization eignet sich als Steuerungsgröße auf Team- und Bereichsebene, nicht als individuelle Zielvereinbarung. Auf individueller Ebene ist sie eine Diagnosegröße, kein Ziel.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Gesetze und Verordnungen

Weitere Quellen

Stand der Auswertung: August 2026.

Häufige Fragen

Abrechenbare Stunden geteilt durch verfügbare Stunden. Entscheidend ist, dass der Nenner um Urlaub, Krankenstand und Feiertage bereinigt ist.
Das hängt von der Rolle ab. Für reine Projektmitarbeit sind 75 bis 85 Prozent realistisch, für Projektleitung 55 bis 70, für fachliche Führung mit Vertriebsanteil 40 bis 55.
Der Anteil der abrechenbaren Stunden, der tatsächlich fakturiert wurde. Sie zeigt, wie viel durch Nachlässe, Deckel und Kulanz verloren geht.
Sie lässt keinen Raum für Angebote, Wissensaufbau und Puffer. Teams ohne Reserve können kurzfristige Anfragen nicht annehmen — oft die profitabelsten.
Autor
PlainStaff Redaktion
Fachredaktion Personalwesen
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