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Nachkalkulation – der Plan-Ist-Vergleich in Projekten

Warum die zweite Frage wichtiger ist als die erste

4 Min. Lesezeit · Aktualisiert am

Die Nachkalkulation beantwortet zwei Fragen. Die erste — hat sich das Projekt gerechnet? — interessiert die Geschäftsführung. Die zweite — welche Annahme war falsch? — ist die, die Geld verdient.

Datenbasis

Für einen belastbaren Vergleich braucht es:

  • geleistete Stunden je Person, Tag und Arbeitspaket,
  • interne Verrechnungssätze zum Zeitpunkt der Leistung,
  • Fremdleistungen mit Projektzuordnung,
  • projektbezogene Sachkosten einschließlich Reisekosten,
  • den Erlös einschließlich Nachträgen.

Der kritische Punkt ist immer die Stundenerfassung. Werden Stunden pauschal, verspätet oder gar nicht gebucht, wird die Nachkalkulation zur Schätzung — und bestätigt zuverlässig die eigene Vorkalkulation.

Aufbau des Vergleichs

EbenePlanIstAbweichung
Arbeitspaket A120 h145 h+25 h / +21 %
Arbeitspaket B80 h62 h−18 h / −23 %
Arbeitspaket C200 h264 h+64 h / +32 %
Summe Stunden400 h471 h+71 h / +18 %
Fremdleistungen8.000 €9.500 €+1.500 €
Erlös56.000 €56.000 €0 €

Die Auswertung auf Projektebene allein reicht nicht. Erst die Aufschlüsselung nach Arbeitspaketen macht sichtbar, wo der Aufwand entstand — und ob die Überschreitung an einer Stelle durch eine Unterschreitung an anderer nur zufällig kompensiert wurde.

Drei Abweichungsarten

Mengenabweichung. Es wurden mehr Stunden gebraucht als geplant. Ursachen: unterschätzter Umfang, Nacharbeit, unklare Anforderungen.

Preisabweichung. Die Stunden wurden von teureren Personen geleistet als kalkuliert — Senior statt Junior. Ursache ist meist die Disposition, nicht die Schätzung.

Strukturabweichung. Der Anteil nicht direkt wertschöpfender Tätigkeiten — Abstimmung, Dokumentation, Reisen — lag höher als angenommen.

Die Unterscheidung ist wichtig, weil die Konsequenzen verschieden sind: Eine Mengenabweichung korrigiert man in der Schätzmethode, eine Preisabweichung in der Besetzungsplanung, eine Strukturabweichung im Kalkulationsmodell.

Typische Ursachen

UrsacheErkennungsmerkmal
Scope CreepAufwand steigt, Umfang wurde nie neu vereinbart
Falsche SkillzuordnungSenior-Stunden in einer als Junior kalkulierten Position
Nacharbeitüberproportionale Stunden in der Endphase
Unterschätzte Abstimmunghoher Anteil an Meeting- und Koordinationsbuchungen
Falscher Gemeinkostenzuschlagsystematische Abweichung über alle Projekte hinweg

Der letzte Punkt ist besonders wichtig: Zeigt sich dieselbe Abweichung in jedem Projekt, liegt der Fehler nicht in den Projekten, sondern im Kalkulationsmodell.

Deckungsbeitrag je Stunde

Aussagekräftiger als der absolute Deckungsbeitrag ist der Deckungsbeitrag je geleisteter Stunde. Er macht Projekte unterschiedlicher Größe vergleichbar und beantwortet die eigentliche Frage: Welche Auftragsart verwertet die knappe Ressource Zeit am besten?

DB je Stunde = (Erlös − direkte Kosten) ÷ geleistete Stunden

Empfohlener Netto-Stundensatz

56,82 €

pro Stunde

Fakturierbare Stunden: 1.056 h/Jahr

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Rückkopplung

Eine Nachkalkulation, die nicht in die nächste Vorkalkulation eingeht, ist verlorene Arbeit. Ein praktikabler Turnus:

  1. Je Projekt direkt nach Abschluss — Abweichungen und ihre Ursachen dokumentieren.
  2. Quartalsweise über alle abgeschlossenen Projekte — Muster erkennen.
  3. Jährlich die Kalkulationsansätze anpassen: produktive Stunden, Gemeinkostenzuschlag, Schätzfaktoren je Arbeitspakettyp.

Der Schätzfaktor ist dabei das wirksamste Instrument: Wenn Projekte eines bestimmten Typs im Schnitt 18 Prozent über der Schätzung liegen, ist ein Aufschlag von 18 Prozent auf künftige Schätzungen dieses Typs genauer als jede Verfeinerung der Schätzmethode.

Voraussetzung: eine Buchungsstruktur, die trägt

Die Projektstruktur muss so geschnitten sein, dass Buchungen eindeutig zuordenbar bleiben. Zu grobe Strukturen — ein einziges Arbeitspaket je Projekt — liefern keine Erkenntnis. Zu feine Strukturen führen dazu, dass falsch gebucht wird und die Daten unbrauchbar werden. Als Faustregel gilt: ein Arbeitspaket sollte mindestens 20 und höchstens 200 Stunden umfassen.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Gesetze und Verordnungen

  • § 203 UGB — Unternehmensgesetzbuch: Bewertungsmaßstäbe, Bestandteile der Herstellungskosten
  • § 132 BAO — Bundesabgabenordnung: Aufbewahrungsfristen für Bücher, Aufzeichnungen und Belege (7 Jahre)
  • § 26 AZG — Arbeitszeitgesetz: Verpflichtung des Dienstgebers zur Aufzeichnung der Arbeitszeit

Weitere Quellen

Stand der Auswertung: August 2026.

Häufige Fragen

Der Vergleich der tatsächlich angefallenen Kosten eines Projekts mit der Vorkalkulation nach Projektabschluss. Sie zeigt, ob sich das Projekt gerechnet hat und welche Annahme falsch war.
Geleistete Stunden je Person und Tätigkeit, die zugehörigen internen Verrechnungssätze, Fremdleistungen und projektbezogene Sachkosten — jeweils dem Projekt eindeutig zugeordnet.
Der absolute Gewinn sagt nichts über die Ursache. Erst die Abweichungsanalyse je Arbeitspaket zeigt, ob geschätzt, disponiert oder geleistet falsch war.
Gerade dort. Ohne sie fehlt jede Grundlage für den nächsten Pauschalpreis bzw. Festpreis — und genau bei Pauschalpreisprojekten wird die Stundenerfassung am häufigsten vernachlässigt.
Autor
PlainStaff Redaktion
Fachredaktion Personalwesen
Aktualisiert am