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Sachbezüge und steuerfreie Extras in Österreich – Sachbezugswerte, Freibeträge und Stolperfallen

Wie Dienstgeber Benefits im Rahmen der Sachbezugswerteverordnung und des EStG optimal nutzen

5 Min. Lesezeit · Aktualisiert am

Sachbezüge sind ein äußerst effizientes Instrument der Vergütungsgestaltung: Ein Euro steuer- und beitragsfreier Sachbezug kommt beim Dienstnehmer vollständig an, während bei einer Erhöhung des Bruttoentgelts durch Steuern und Sozialversicherungsabgaben (Dienstnehmer- und Dienstgeberanteile) oft nur rund die Hälfte netto übrig bleibt. Der Preis dieser Effizienz sind strenge Vorgaben im Einkommensteuergesetz (EStG 1988) sowie in der Sachbezugswerteverordnung (Sachbezugswerte-VO), die in der Lohnverrechnung exakt eingehalten werden müssen.

Freibetrag versus Freigrenze

In der laufenden Personalverrechnung müssen alle gewährten Sachbezüge und geldwerten Vorteile monatsgenau erfasst und auf die Einhaltung der gesetzlichen Grenzbeträge geprüft werden.

Abgrenzung zur Geldleistung

Grundsätzlich gilt: Geldleistungen sind immer steuer- und beitragspflichtiger Arbeitslohn. Als Sachbezug bzw. steuerfreies Extra gelten Leistungen nur, wenn sie dem Dienstnehmer als geldwerter Vorteil in Form von Sachgütern, Berechtigungen oder Dienstleistungen zukommen (§ 15 EStG).

Gutscheine und Guthabenkarten gelten nur dann als Sachbezug oder steuerfreie Sachzuwendung, wenn:

  1. sie ausschließlich zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen berechtigen,
  2. eine Auszahlung oder Ablöse in Bargeld rechtlich und technisch ausgeschlossen ist und
  3. sie den konkreten Vorgaben der jeweiligen steuerlichen Befreiungsbestimmung (z. B. § 3 EStG oder Sachbezugswerte-VO) entsprechen.

Reine Prepaid-Karten mit unbeschränkter Bargeldabhebungsfunktion oder Barauszahlungsoption gelten als Barlohn und unterliegen der vollen Lohnsteuer- und Sozialversicherungspflicht (ÖGK).

Ebenso ist zu beachten: Eine bloße Gehaltsumwandlung (Herabsetzung des bisherigen Barlohns) ist bei vielen Sachzuwendungen steuerlich schädlich, es sei denn, das Gesetz lässt sie ausdrücklich zu (wie etwa bei der Bereitstellung eines Jobtickets/Öffi-Tickets oder eines Firmenfahrrads).

Aufmerksamkeiten und persönliche Anlässe

Sachzuwendungen aus persönlichem Anlass des Dienstnehmers — wie Hochzeit, Geburt eines Kindes oder runde Dienstjubiläen — gelten als nicht steuerbare Aufmerksamkeiten, sofern es sich um geringwertige Sachgeschenke von persönlichem Wert handelt.

Davon zu unterscheiden sind Sachzuwendungen anlässlich von Betriebsveranstaltungen (z. B. Weihnachtsfeiern, Betriebsausflüge):

  • Betriebsveranstaltungen: Bis zu 365 € pro Dienstnehmer und Kalenderjahr steuer- und beitragsfrei (§ 3 Abs. 1 Z 14 lit. a EStG).
  • Sachzuwendungen (Gutscheine, Geschenke): Bis zu 186 € pro Dienstnehmer und Kalenderjahr steuer- und beitragsfrei (§ 3 Abs. 1 Z 14 lit. b EStG).
  • Dienst- und Firmenjubiläen: Zusätzliche Sachzuwendungen bis zu 186 € jährlich bei entsprechenden Jubiläen steuerfrei.

Geldgeschenke sind auch bei persönlichen Anlässen stets steuer- und sozialversicherungspflichtig.

Die wichtigsten Sachbezüge und steuerfreien Extras

Sachbezug / ExtraBewertung & Steuerstatus (Österreich)
Dienstwagen zur privaten Nutzung2,0 % der Anschaffungskosten (max. 960 € monatlich); reduzierter Satz von 1,5 % (max. 720 € monatlich) bei Unterschreiten des CO2-Grenzwerts; 0 % (steuerfrei) für reine Elektrofahrzeuge (§ 4 Sachbezugswerte-VO).
Dienstrad / FirmenfahrradSteuerfreier Sachbezug (0 €) für Fahrräder und E-Bikes bei privater Nutzung (§ 4b Sachbezugswerte-VO); auch im Rahmen einer Gehaltsumwandlung zulässig.
Jobticket / Öffi-TicketVollständig steuerfrei nach § 3 Abs. 1 Z 26 EStG (z. B. Kostenübernahme für Netz- und Streckenkarten, Bundes- oder regionales KlimaTicket); auch im Wege der Gehaltsumwandlung möglich.
Essensgutscheine / MahlzeitenBis zu 8,00 € pro Arbeitstag steuerfrei für Mahlzeiten im Gastgewerbe; bis zu 2,00 € pro Arbeitstag für Lebensmittel/Gutscheine zur Zubereitung zu Hause (§ 3 Abs. 1 Z 17 EStG).
Unterkunft / DienstwohnungBewertung nach Quadratmeter-Richtwerten gemäß Sachbezugswerteverordnung (§ 2 Sachbezugswerte-VO).
KinderbetreuungszuschussBis zu 2.000 € pro Kind und Kalenderjahr steuer- und beitragsfrei bis zum 14. Lebensjahr bei Betreuung in institutionellen Einrichtungen oder durch Tageseltern (§ 3 Abs. 1 Z 13 lit. b EStG).
Betriebliche GesundheitsförderungSteuerfrei für vom Dienstgeber organisierte und bezahlte Maßnahmen am Arbeitsplatz (z. B. Impfungen, Ergonomieberatung, Kurse) nach § 3 Abs. 1 Z 13 lit. a EStG.
MitarbeitergewinnbeteiligungBis zu 3.000 € pro Kalenderjahr steuerfrei nach § 3 Abs. 1 Z 35 EStG unter den gesetzlichen Voraussetzungen.

Die amtlichen Sachbezugswerte und steuerlichen Grenzbeträge werden regelmäßig valorisiert bzw. angepasst und sind vor der Abrechnung in der Lohnverrechnung zu verifizieren.

Betriebsveranstaltungen und Mitarbeitergeschenke

Zuwendungen des Dienstgebers anlässlich von Betriebsveranstaltungen (z. B. Weihnachtsfeier, Betriebsausflug) sind bis zu einem Freibetrag von 365 € jährlich pro Dienstnehmer lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei (§ 3 Abs. 1 Z 14 lit. a EStG).

Sachgeschenke (Gutscheine, Goldmünzen, Sachgüter), die im Rahmen solcher Anlässe überreicht werden, bleiben bis zu 186 € jährlich pro Dienstnehmer steuerfrei (§ 3 Abs. 1 Z 14 lit. b EStG). Übersteigt der Wert den Freibetrag, ist nur der Mehrbetrag als geldwerter Vorteil der Lohnsteuer und den Sozialversicherungsbeiträgen (ÖGK) zu unterwerfen.

Was das für die Personalverwaltung heißt

  1. Laufende Überwachung der Freibeträge je Dienstnehmer über das Kalenderjahr hinweg. Eine retrospektive Korrektur bei der GPLA (Gemeinsame Prüfung aller lohnabhängigen Abgaben durch ÖGK und Finanzamt) führt zu teuren Nachzahlungen.
  2. Eigene Lohnarten im Payroll-System für jede Sachbezugs- und Benefit-Kategorie anlegen, um steuerfreie und steuerpflichtige Anteile sauber zu trennen.
  3. Dokumentation und Belegsammlung bei Sachzuwendungen und Rechnungen (z. B. Rechnungsbelege für das Jobticket oder Bestätigungen qualifizierter Kinderbetreuungseinrichtungen) gemäß § 132 BAO (7 Jahre Aufbewahrungspflicht).
  4. Prüfung der Gutscheinsysteme: Sicherstellen, dass keine Barauszahlungsmöglichkeit besteht und Gutscheine die Kriterien des § 3 EStG erfüllen.
  5. Vereinbarungen im Dienstvertrag bzw. Zusatzvereinbarung: Überlassung von Dienstwagen, E-Bikes oder Kostenübernahmen transparent schriftlich festhalten.

Die korrekte Einstufung von Sachbezügen ist einer der häufigsten Schwerpunkte bei Betriebsprüfungen. Eine automatisierte Verwaltung und lückenlose Dokumentation verhindern Nachforderungen zuverlässig.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Gesetze und Verordnungen

Stand der Auswertung: August 2026. Der Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

Häufige Fragen

Bei einem Freibetrag bleibt der Betrag bis zur gesetzlichen Grenze steuerfrei und nur der übersteigende Teil unterliegt der Lohnsteuer und Sozialversicherung. Bei einer Freigrenze hingegen wird bei Überschreiten auch nur um einen Cent der gesamte Betrag voll steuer- und beitragspflichtig.
Sachzuwendungen in Form von Gutscheinen oder Geschenkmünzen sind gemäß § 3 Abs. 1 Z 14 lit. b EStG bis zu einem Freibetrag von 186 € pro Dienstnehmer und Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei, sofern sie nicht in Bargeld abgelöst werden können. Zudem sind Essensgutscheine bis zu 8,00 € bzw. 2,00 € pro Arbeitstag steuerfrei.
Geringwertige Sachgeschenke aus persönlichem Anlass (z. B. Heirat, Geburt eines Kindes oder runder Geburtstag) gelten als nicht steuerbare Aufmerksamkeiten, wenn sie im üblichen Rahmen bleiben, und werden nicht auf den allgemeinen Sachzuwendungsfreibetrag angerechnet.
Nach der Sachbezugswerteverordnung beträgt der monatliche Sachbezug 2 % der tatsächlichen Anschaffungskosten (maximal 960 €) bzw. 1,5 % (maximal 720 €) bei emissionsarmen Fahrzeugen. Für reine Elektrofahrzeuge (Null-Emissions-Autos) beträgt der Sachbezugswert 0 €.
Autor
PlainStaff Redaktion
Fachredaktion Personalwesen
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